Roman

Hitze von Raven Leilani

Worum geht´s?
Nachdem die 23-jährige Edie ihr Kunststudium geschmissen hat, arbeitet sie als Assistentin bei einem Verlag. Neben finanziellen Sorgen, betrübt sie auch ihr Liebesleben und sie stolpert von einer Liebschaft zur Nächsten. Dann beginnt sie eine Affäre mit Eric, der mit seiner Frau eine offene Ehe führt. Nachdem sich Edie mit der Schwarzen Adoptivtochter Akila des typisch weißen Mittelstands Paares anfreundet, wird immer klarer, dass Edies, als auch Akilas Leben immer von Rassismus und Ungleichheit geprägt sein wird.

Meine Meinung:
Kaum ein Buch kann wohl mehr Sozialstudie des heutigen New Yorks sein, als dieses hochgelobte Debüt der Schwarzen Autorin Leilani. Es ist erschreckend, wie junge Menschen und wohl insbesondere auch junge Schwarze Menschen in der Metropole leben und sich über Wasser halten müssen. Horrende Mieten für ein Rattenloch mit Fenstern, kaum eine Chance als Berufsanfänger:in mehr als ein unbezahltes Praktikum zu erlangen und die Ohnmacht, etwas an diesen Zuständen zu ändern.
Edie ist eine unglaublich sympathische junge Frau, die völlig auf sich allein gestellt ist und nicht davor zurückschreckt, aufgrund ihrer Weiblichkeit Vorteile einzufordern. Eine ungleiche Liebschaft, die sich selten die Waage hält, bestimmt Edies Leben und zufällige Entscheidungen bringen sie mitten ins Leben der Familie. Ein ambivalentes Verhältnis zu Erics Frau zeigt, wie absurd diese ganze Konstellation ist. Ich empfand es als sehr authentisch, wie beide Frauen umeinander herschleichen und Grenzen abstecken und einreißen. 
Eingehüllt in einen nüchternen, fast rohen Schreibstil ist gerade der erste Teil des Buches sehr angenehm zu Lesen. Im zweiten Teil des Buches verliert sich die Autorin meiner Meinung nach ein wenig und die auf dem Klappentext angepriesene Auseinandersetzung mit Rassismus und Seximus steht mir zu sehr zwischen den Zeilen. Hier hätte ich mir mehr Offenheit und auch Klarheit gewünscht. Nichtsdestotrotz kann man diese Missstände zwischen den Zeilen kaum verkennen und so wird dieses Buch zu einer Anklage der bestehenden Verhältnisse in einer Zeit, in der wir so viel weiter sein sollten.

Fazit:
Erfrischend roher Roman über die Situation junger Schwarzer Frauen in einem Trump-geprägten New York. Trotz Abstrichen empfehlenswert! 4 von 5 Lippenstiften.

Rezensionsexemplar. Ehrlich&Anders

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