Roman

Underground Railroad von Colson Whitehead

Worum geht´s?
Gehalten wie Vieh, schuftet Cora auf der Baumwollplantage ihres Besitzers in Georgia. Von Flucht träumt hier jede:r, aber ein:e Jede:r weiß auch, dass es den Tod bedeutet, denn die Sklavenjäger sind erbarmungslos. Über das System der Underground Railroad wagt es Cora dennoch und eine schicksalhafte Flucht nimmt ihren Anfang.

“Alle Menschen sind gleich, es sei denn, wir entscheiden, dass Du kein Mensch bist.”

Underground Railroad, Colson Whitehead

Meine Meinung:
Wie kann man treffende Worte für ein Buch finden, welches die dunkelsten Kapitel der Menschheit beschreibt, welches schockiert, berührt und ohnmächtig macht und die Menschlichkeit einmal mehr in Frage stellt. Colson Whitehead bekam für dieses Buch den Pulitzerpreis, zu recht, wenn man mich fragt. Mit einer unglaublichen Nüchternheit schildert er die Brutalität der damaligen Zeit und vermittelt dennoch Gefühl und Hoffnung. Der Autor hat einen sehr rauen und sachlichen Schreibstil, welcher gut zum Thema des Buches passt.

Neben den Gräueltaten der Kolonialzeit, zeigt Whitehead aber auch, dass es Menschen gab, die sich für andere einsetzten. Es wurde ein unglaubliches Netzwerk geschaffen, um Sklaven die Flucht in die Freiheit des Nordens zu ermöglichen, bei welchem sie sich selbst in Lebensgefahr brachten oder umkamen. Die Charaktere des Buches sind authentisch gezeichnet und vermitteln ein ungutes Gefühl, ob der Unterschiede der Menschen in den Zeiten der Sklaverei und lassen erahnen, wie sich dieses Menschen gefühlt haben müssen. Für zartbesaitete ist das Buch wohl eher nichts, denn Whitehead beschreibt schonungslos, wie die Sklavenhalter mit den Menschen umgingen. Selbst Tiere wurden besser behandelt, denn diese wurden weder vergewaltigt, noch gedemütigt oder bestraft, indem Körperteile abgetrennt wurden. 

Selbst heute sind die Nachwirkungen der Kolonialzeit und der Sklaverei, mit der damit einhergehenden “Rassentrennung” in den Vereinigten Staaten zu spüren. Nicht zuletzt, weil man den heutigen Rassismus innerhalb der Vereinigten Staaten durch das Wissen um die Kolonialzeit verstehen kann. Denn Verständnis ist der erste Weg, um eine Veränderung zu erwirken. Verständnis heißt auch nicht, dass man Tätern von Rassismus eine Bühne gibt, Verständnis heißt hier, dass man erkennt, wie tief verwurzelt diese Gedanken sind und welche Wege man einschlagen kann und muss, um es aus den Köpfen zu verbannen. Es ist ein langer Weg, ein harter Kampf, aber gerade das kürzlich gesprochene Urteil im Fall George Floyd gibt Hoffnung, dass es weiterhin Menschen gibt, die für Gleichheit und Menschlichkeit eintreten und sich stets und immer gegen Rassismus und Diskriminierung engagieren.

Fazit:
Raues und grausames Buch über eines der dunkelsten Kapitel der Menschlichkeit, welches gelesen werden sollte, um jegliche Zweifel an der Gleichheit aller Menschen auszumerzen.

Geschichtlicher Hintergrund:
Das Buch ist wirklich nach dem Netzwerk “Underground Railroad” benannt, welches geflüchteten Sklaven dabei half in die Freiheit des Nordens zu gelangen. Bevor auch die Eisenbahn (wie im Buch beschrieben) genutzt wurde, um insgesamt etwa 100.000 Sklaven zu retten, bediente man sich geheimer Routen, Schutzhütten und vieler freiwilliger Fluchthelfer:innen.

Innerhalb der Staaten war das Leben für die BPoC kaum möglich, denn auch die Nordstaaten schränkten die Rechte dieser massiv ein. Einzig Kanada garantierte diesen Menschen schon im Jahr 1829 uneingeschränkt die gleichen Rechte. Dennoch erstarkte innerhalb der nördlichen Gebiete der USA die Abolitionsbewegung, diese kämpfte für die Abschaffung der Sklaverei und führte unweigerlich zum Bürgerkrieg 1861 – 1865, welcher die Sklaverei offiziell abschaffte.

Nebenbei Gesagt:
Auf Amazon Prime gibt´s brandaktuell die Serie zum Buch. Ich werde diese definitiv ansehen und auch meinen Eindruck schildern. Gespannt bin ich hier, wie nah am Buch die Handlung ist und wie viel Grausamkeit dem Zuschauer zugemutet wird.

Trailer auf der Plattform YouTube

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